Das Singen-de, klingende Bäumchen

Author: Stephy  //  Category: Rezension/Bericht

  

Was machen wenn es im Oktober noch mal so richtig goldig wird? Rauf auf’s Rad und ab in die Natur. Schönstes Wetter, ausreichend Freizeit und drei wackere Spelunkierer machten sich auf den Ilmtal-Radwanderweg von Ilmenau Richtung Stadtilm auf.

Nach kurzen Umwegen an diversen Baustellen vorbei und nach ca. 15 km erschienen am Wegesrand zwei große Solebohrtürme und ein kleiner Wegweiser, welcher uns an das Ziel der Reise erinnerte: das kleine Dorf mit dem wohlklingenden Namen Singen. Kenner des Braugewerbes, oder ausgewiesene Gourmets der Endprodukte eben jenes Gewerbes, werden jetzt denken “Moment, in Singen steht doch die kleinste produzierende Brauerei Thüngings!” Stimmt… und genau war das Ziel Ziel des Ausflugs.

Doch bevor es zur Brauerei mit integriertem Brauereimuseum ging, musste eine Stärkung her. Schließlich war die Mittagszeit schon weit fortgeschritten und es muss ja jetzt auch nicht sein, dass eine Mahlzeit ausfällt. Im der ortsansässigen Gaststätte sollten wir dann auch alles finden, was den Bauch in ein Spannungsverhältnis setzen kann.

  

Nach Öffnen der Tür und Betrachten des Begrüßungsschildes war uns klar, dass wir hier genau richtig sind. Freundliches, uriges und vor allem in der Zeit stehen gebliebenes Ambiente ließen gleich erahnen im welchen Teil der Republik wir uns befinden. Ein erster Blick auf die Speisekarte bestätigte die ersten Erkenntnisse: Schicki-Micki gibt’s woanders, hier ist Hausmannskost angesagt und davon nicht zu wenig. Trotz der doch recht überschaubaren Karte fiel die Auswahl nicht leicht: von einfachen Salaten, über Vorsuppen hin zu Bratkartoffeln und halben Schweinen – alles da. Und wer es dann noch süß möchte, Eis gibt es auch.

  

Los ging’s: der gut durchmischte Salat mit Birnenstreifen und eine Tagessuppe, vertreten durch die klassische Lauch-Sahne Suppe, beschlossen den Anfang. beides wurde durch die freundliche Bedienung recht schnell angeliefert und sah frisch und schmackhaft aus. Vorsuppenverkoster Obelix war dann auch erstaunt, dass sich in der Suppe vorher nicht erwähntes Hackfleisch befand. Zu seinem Übel befanden sich auch jede Menge Pilze in der Suppe, was uns wieder zu einer der unlogischsten Küchentheorien brachte: wie kann man den Geschmack von Pilzen mögen, aber diese unglaublich gute Konsistenz verachten? Sei es drum, ich habe mich sehr  über drei Löffel Pilze gefreut, da ich eine Vorspeise verzichtet habe. Weiter ging’s dann mit was deftigem, wobei auch hier wieder Obelix im Mittelpunkt des Geschehens stand: gegen seine unglaublich reichhaltige Portion sah die Soljanka von Suse auf dem Tsich schon etwas verloren aus. Selbst meine Bratkartoffeln mit Spiegelei und bunt gemischtem Salat wirkten wie Magerkost.

  

Das Essen war durchweg lecker, hier und da hat ‘ne Prise Salz gefehlt (und das sag ich eher selten). Damit das Essen leichter runter geht, musste natürlich auch was zu Trinken her. Auch hier regierte bunte Vielfalt: neben roter und grüner Faßbrause gab es das in der ortsansässigen Brauerei abgefüllte Singener Bier. Da die Brauerei mit anschließender Verköstigung jedoch noch anstand, verzichteten wir erstmal darauf. Ebenso auf anderweitigen Nachtisch. Preislich war das alles nicht in der Low-Budget Region, aber defnitiv angemessen.

  

Langsam wurde es aber doch Zeit und endlich Stand die Etappe Kneipe-Brauerei auf dem Programm. Wieviel Durst dann schon angehäuft wurde, soll folgende Situation kurz verdeutlichen: Ein zaghaftes “wollen wir dahin zu Fuß gehen” wurde schnell durch ein “Ich schlepp doch nicht 20 km mein Fahrrad mit um dann zu laufen” zunichte gemacht. Also eilig auf und den Berg hinunter gerollt. An der Brauerei angekommen kam es zu einer kurzen Schrecksekunde: zwar standen Tüt und Tor weit offen, jedoch vom Personal oder gar zu verzehrenden Flüssigkeiten war nichts zu sehen. Ein mehrfaches “Hallo?!” führte auch nicht zu gewünschten Erfolgen und so ging die Suche los.

Zum Glück ist das Gelände nicht allzu groß und so wurde wir schnell fündig. Eine freundliche Person wies uns auf das “Hotel” hin. Die Verwunderung war leicht groß, als dieses kleine und als gar nicht als solches zu identifizierenden “Hotel” gefunden wurde. Analog zur kleinsten, noch produzierenden Brauerei Thüringes gab es eben auch ein Hotel mit ähnlichen Eigenschaften. Dabei sei der Leser darauf hingewiesenen, dass dort leider keinerlei Übernachtungsmöglichkeiten vorhanden waren. Aber endlich: ein Zapfhahn, sogar zwei mit frisch gebrautem Bock und nem Pils, liebevoll eingeschenkt durch das ehrenamtlich tätige Personal. Da legt man auch gern 2,50 hin und rundet auf.

  

Langsam wurde es spät und nach kurzem Smalltalk über den lieben Gott, die bösen industriellen Bierproduzenten und die  Klärung, dass mit <bc> keine Band gemeint war, ging es dann auch schon wieder zurück nach Ilmenau. Aber keine Sorge, nächstes Jahr kommen wir wieder und dann hoffentlich auch mit reger Beteiligung weiterer Spelunkierer.

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